Freitag, 5. März 2010

Schon 1 Monat in Costa Rica

Ich bin schon einen Monat hier, unfassbar wie schnell die Zeit rennt und was in so kurzer Zeit alles passieren kann. Ich habe jetzt schon einige Schulen besichtigt und auch schon den ein oder anderen Ehrenamtlichen kennengelernt.

Viele oder Einige Ehrenamtliche arbeiten regelmäßig im Büro und unterstützen uns bei der Arbeit, was ich ne ganz gute Sache finde und es ist immer toll sie um sich zu haben. Ich erzähle euch einfach mal von meiner ersten Tour durch die Schulen.

Also am Donnerstag (letzte Woche) gegen halb 9 bin ich im Büro angekommen und war darauf eingestellt, dass mich Sandra abholt und es losgeht nach Guapiles, Siquirres und Turrialba. Leider hat es dort schon die ganze Zeit geregnet und Sandra hat ihren Plan ein bisschen umgestellt. Ich sollte alleine mit dem Bus nach Paraiso fahren und sie würde dort auf mich warten. Also alles klar, ich bin dann mit dem Taxi bis zur Bushaltestelle gefahren, bin sogar in den richtigen Bus eingestiegen, und war dann ne Stunde später auch schon in Paraiso. Ziemlich kleine Stadt, in der wir in der ersten Woche in Costa Rica auch schon waren, da die Finca de la Flor gar nicht so weit weg ist von dort. Sandra kam dann auch kurz danach zum vereinbarten Treffpunkt und wir sind los erstmal Richtung Turrialba. In Turrialba haben wir uns ne Highschool angeguckt, eine private ziemlich gut bestückte. Die Kinder dort kommen alle aus der gehobenen Klasse, bezahlen ne Menge Geld um da zu lernen. An der Schule ist auch Luca (einer von uns insgesamt 8 Deutschen weltwärts Teilnehmern). Er hat mir einiges zur Schule erzählen können. Es ist eine der Schulen die gerne und gute Projekte machen und auch bereit sind mit AFS zusammenzuarbeiten. Ich bin mal gespannt. Das Gelände auf dem die Schule sich befindet ist schon echt bemerkenswert, es ist wie eine kleine Stadt, und es befinden sich auch noch andere schulische Einrichtungen auf dem Gelände.
Nachdem wir in Turrialba waren, bemerkte Sandra das wir tanken müssen, und zwar schnell, daraufhin fiel dann der Satz...Mal gucken die nächste Tankstelle kommt in 40 km, ob wir das noch schaffen. Hm ok, ich hab einen vorsichtigen Blick auf die Anzeige gewagt und bemerkte nur, dass der Zeiger sich schon am 000000 Punkt befand. Sandra beruhigte mich, die Tankanzeige ging gar nicht, ich weiß nicht ob mich das beruhigen sollte oder nicht. Wir haben es geschafft, Sandra kann gut rechnen und schreibt ihre Kilometer immer mit und weiß genau wie viel sie tanken muss und wie weit sie damit fahren kann.
Nachdem wir tanken waren ging es bei mir bergab. Mir war übel, ich hatte Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Halsschmerzen.Anfangs ließ ich mir nichts anmerken, dachte das wird schon wieder, hab noch 2 Schulen mit besichtigt und zwischendurch im Auto immer gepennt.Die erste Schule war eine normale Highschool, die sich mitten im nirgendwo befindet und nennt sich Green Valley, der Direktor war total nett, hat uns die Zusammenarbeit angeboten und wird mir auch bei den Materialien gerne helfen.Seine Schule heisst mich Herzlich Willkommen und ich kann auch bei ihm übernachten, wenn es AFS Aktivitäten in der Gegend gibt.Das kommt mir sehr recht, es gibt in Guapiles nur 2 Hotels, naja 1 Hotel, dass ist total geil, aber zu teuer und eine ich nenne es mal Absteige. Wenn ich es in Sternen ausdrücken müsste -8, einfach nur unbequem, laut udn nicht besonders sauber, aber da es mir sowieso bescheiden ging war mir das egal.Die 2 Schule war eine Gesamtschule mega groß und einfach nur hässlich und zu viele Schüler, den Direktor habe ich beim sprechen nicht verstehen können, da er seinen Mund nicht aufgemacht hat. Zudem haben sie uns ganz schön lange warten lassen, bis sich dann endlich mal jemand für uns interessiert hat. Das Gespräch war nicht sehr erfolgreich, hatte ich das Gefühl, ich glaube das kann man vergessen.Mir ging es immer noch schlecht und es wurde eigentlich nur schlimmer als besser. Am Abend beim Komiteetreffen in Guapiles ging dann nichts mehr und ich hab mich dort einfach nur noch ins Bett gelegt und vom Treffen nichts mitbekommen. Leider.Zudem hat es den ganzen Tag über geregnet in der Region und war arschkalt. Am nächsten Morgen haben wir dann beschlossen, dass ich zurück nach San Jose fahre und mich ins Bett packe, damit ich Montag wieder fit bin. Zum Busfahren in Costa Rica hab ich euch ja schon was geschrieben, Busfahren mit 38,5 Fieber ist auch nicht besonders prickelnd. Nach knapp 2h war ich dann endlich zu Hause und bin halbtot ins Bett gefallen, vorher hat mir meine Gastfamilie noch ne Ladung Medikamente verabreicht. Meine Gastschwester hatte es auch genau zur gleichen Zeit erwischt. Bei mir lag es wohl definitiv an dem letzten Wochenende in Tortuguero, wo wir ja  auch die ganze Zeit in nassen Klamotten rumgerannt sind und das ganze raus aus dem Raum mit Klimaanlage in die 30 Grad warme Außenwelt und wieder zurück in den klimatisierten Raum haben wohl auch ne Menge Schuld an der Grippe. Ansonsten kann ich mir das nicht erklären, wieso man bei den Temperaturen hier, sich ne Grippe einfangen kann. Es war das ruhigste Wochenende was ich seit langem hatte. Mein Tagesablauf bestand aus Schlafen, vor dem TV hocken, Essen, Trinken, Schlafen und so weiter und so fort. Und ich habe endlich mal ein ganzes Weekend mit meiner Familie verbracht und auch hier im Haus mal Zeit gehabt, meine ganzen Sachen zu sortieren und richtig auszupacken. Meine Familie ist echt super und ich hoffe das bleibt auch so. Nachdem Relax Weekend war ich wieder fit für die neue Arbeitswoche, oder auch Fit für die AFS Arbeit, um es mal so auszudrücken.
Am Montag habe ich dann auch endlich die restlichen Zugangsdaten bekommen, damit ich auch alle Programme hier benutzen kann. Ich bin seit 3 Wochen im Büro, nur nochmal ne Abschätzung, wie lange hier so Sachen dauern können. Manchmal nervt es echt. Seitdem beschäftige ich mich konsequent damit, Ideen zu entwickeln, Materialien zu entwerfen und Projektvorschläge zu kreieren  und mache nebenbei noch so Sachen, wo ich im Büro aushelfen kann, z.B. bei der Gastfamiliensuche oder bin einfach Dolmetscher für die Deutschen Austauschschüler vor Ort. Im Moment schreibe ich alles noch auf deutsch oder englisch, und werde es dann die Tage mal übersetzen. Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich zu schnell arbeiten würde und Aufgaben zu schnell erledige, deswegen zügel ich mein Tempo jetzt ein bisschen und lass mir einfach mehr Zeit. Zudem ich jetzt nächste Woche nochmal zur Polizei muss und meine Fingerabdrücke und den ganzen Visakram nochmal machen muss. Wieso? Ja AFS hat meine Papiere verschlampt. Bis gestern dachten sie auch mein Pass sei weg, da blieb mir ganz kurz der Atem weg, aber irgendwann kam Jaime mit dem Pass in der Hand an und strahlte bis über beide Ohren. Zum Glück, das wäre es auch noch gewesen, Pass weg und Anne arbeitet illegal im Land. Super Vorstellung, ich wollte eigentlich nicht vorzeitig ausreisen müssen.
Was ich ganz cool finde, sie lesen mir teilweise meine Wünsche von den Augen ab, ich hab jetzt einen Ventilator bekommen, da es am Dienstag so mega heiss war, dass Arbeiten echt schwierig war. Trotzdem gibt es so einige Sachen die ich hier verändern würde. Und es gibt so Kleinigkeiten, wo ich manchmal nur denke, man ihr macht euch das Leben schwer. Sie schneiden hier Krepp mit der Schere, ich habe Hellen heute mal gezeigt, dass man das auch ganz einfach abreisen kann und es praktisch ist, wenn man sich vorher schon Pöpsel vorbereitet und  nicht noch 3 extra Hände für Karteikarten, Flipmarker, Schere und so brauch. Ich glaube seitdem hat Flipcharts und Karteikarten beschriften eine ganze neue Form bekommen. Letzte Woche haben wir meine AFS Fahne an meinem Arbeitsplatz auf gehangen. Oh man das war ein Akt. Für mich war klar, ich nehme Krepp mach es an die Wand und BASTA. Ja das war meine Plan, ging natürlich nicht so einfach. Hellen hat erstmal alle mobilisiert, wir waren auf einmal zu fünft, um eine Fahne aufzuhängen. Und dann ging der ganze Spaß auch erst los. Hellen zückte ihr Nähzeug, ich dachte ich bin im falschen Film, da wurde echt ne 2 Schlaufe an diese Fahne genäht, dann wurden 2 Löcher in die Wand gebohrt und mit 2 Schraubenähnlichen Dingern wurde die Fahne dann aufgehängt. Was für ein Akt und so werden aus 5 Minuten mal ganz schnell 30 Minuten und 5 Leute hatten ne Menge Spaß. Ich hab mich irgendwann nur noch auf meinen Stuhl gesetzt und dem ganzen Spektakel zugeschaut, fand es aber sehr lustig. Sie haben einfach ne andere Einstellung hier zum Arbeiten, daran muss man sich erstmal gewöhnen. Manche Dinge erledigt man eben einfach auf einem viel umständlicheren Weg.
Heute war ich mit Sandra in Puriscal zum Komiteetreffen, naja es waren 2 Leute vom Komitee da, aber es war ganz nett, zudem ich immer wieder gerne mit Sandra mitfahre. Autofahren mit Sandra ist ungefähr so wie Achterbahn fahren, dir wird mindestens genauso übel, wenn sie mit ihrem weißen Flitzer durch die 90 Grad Kurven düst. Ab und an hab ich etwas Angst, da es nicht üblich ist, dass es Leitplanken gibt und der Abhang neben der Straße schon etwas beängstigend ist. Ich vertrau ihr da einfach mal vollkommen. Nachdem Treffen sind wir noch zu einer Familie gefahren, da Martin (FSJler im Büro) eine neue braucht. jetzt hat er eine und die Familie scheint ganz cool zu sein. Zudem wohnen sie auch ganz nah bei mir.

Ach das hätte ich fast vergessen. Am Montag hatte ich eine unvergessliche Busfahrt zur Arbeit.
Am Anfang verlief alles wie immer, der Bus hielt alle 300 m an neue Leute stiegen ein und die finnische Sauna füllte sich. Auf dem Highway nach San Jose, bekam mein Busfahrer dann eine Blitzeingebung, die nicht die beste war. Ich saß ganz vorne, da ich zum Glück immer ziemlich früh in den Bus steige und er erst danach voll wird, und ich konnte das Spektakel voll und ganz miterleben. Der Highway war voll wie jeden morgen und jeder findet sich damit ab, etwas länger zu brauchen als sonst, mein Busfahrer wollte irgendwie schneller sein als alle anderen. Er dachte sich quetsche ich mich doch einfach mal zwischen die Leitplanke und den vor mir fahrenden Bus. Absurde Idee und jeder gesunde Menschenverstand sagt dir NEIN, das wird nichts. Naja er hat es trotzdem versucht und natürlich ging es schief. Wir sind dann mehr oder weniger steckengeblieben, und zwar hat sich die Leitplanke im Bus verkeilt und es gab noch einen kurzen Ruck und wir standen. Super dachte ich mir super. Also alle raus aus dem Bus und warten, da standen wir nun ungefähr 60 Leute, auf dem Seitenstreifen, der am morgen ja eigentlich auch eine 3 Spur darstellt und zwischen dem ganzen Smog, so dass man kaum atmen konnte. Wir mussten auf den nächsten Bus warten, und nach und nach wurden alle auf die folgenden Busse aus der Richtung verteilt, weil natürlich nicht 60 Leute in die ganzen überfüllten Busse passen. Den weiteren Weg danach habe ich mir dann ein Taxi gegönnt, um nicht noch später zur Arbeit zu kommen und auf Busfahren hatte ich gerade sowieso keine Lust mehr.

Unten noch ein paar Fotos von Freunden, andern AFSern und Co.